Ursula und Dietmar Tiefengraber präsentieren am 12. Mai 2017 ab 19:00 Uhr im KunstWerkRaum Untermieming ihre neuen Werke.
„Wer glaubt zu wissen“ ist das Thema. Musikalisch und inhaltlich unterstützt werden sie von der fabelhaften Gruppe „Stabile Seitenlage“. Womit schon viel über die Ausstellung gesagt ist.

 Seit einiger Zeit geistert in verschiedenen Medien der Begriff „Postfaktisches Zeitalter“ umher. Was das konkret heißen soll, bleibt ungewiss. Nur eine Ahnung bleibt: Fakten interessieren nicht mehr. Ob das der Wirklichkeit entspricht?
Könnte es nicht sein, dass Wirtschaft und Politik auf die Wirklichkeit vergessen und daher viele Menschen flüchten in den Glauben an etwas, das nicht veränderbar ist? Oder in Verschwörungstheorien? Wobei der Unterschied bisweilen nicht sehr groß ist?
Ursula und Dietmar Tiefengraber zeigen mit ihren Bildern und Skulpturen auf  jene Felder, die unbemerkt vor sich hinwildern und anwachsen:
Den Superreichtum einiger Menschen, die in einer Zeitung namens „Forbes“ nach der Anzahl ihrer Milliarden aufgelistet werden.
Den Reichtum, den wir im industrialisierten Westen haben und uns dennoch dauernd beschweren.
Und die Armut, die dadurch an vielen anderen Orten der Welt verursacht wird.
Während in der ersten Welt das Dogma eines Wirtschaftswachstums mit noch mehr Digitalisierung, noch mehr überflüssigen virtuellen Welten oder Flexibilisierung der Arbeitswelt herrscht, hat ein großer Teil der Welt nichts zu essen und zu trinken.
Unendliches Wachstum gibt es aber nur mit Zerstörung, meinte der Ökonom Ernst Friedrich Schumacher einmal und zog daraus den Schluss: „Small is beautiful.“
Es ist Zeit, sich daran zu erinnern, dass unsere Rohstoffe nicht unendlich groß sind. Auch darauf weisen Ursula und Dietmar Tiefengraber immer wieder hin.
Der große Fisch im kleinen, goldenen Einkaufsnetz ist dafür ein Indiz.
Und die Schnuller, mit denen wir unsere lokale Kultur einsaugen und manchmal unreflektiert übernehmen, kann ein Hinweis darauf sein, dass wir erwachsen werden sollten. Regionale Traditionen sind wichtig. Aber nicht immer richtig. Ein Blick über die eigenen Grenzen hinweg lohnt sich.
Und bereichert meistens das eigene Leben.
Kunst verändert wahrscheinlich nicht die Welt. Aber es kann ein Anstoß sein für das Nachdenken über sich und diese einzige Erde, die wir haben.
Lassen Sie sich diese Ausstellung nicht entgehen!

Erich Ledersberger